Online seit 21.05.2009

Julian Sas

"Wandering between worlds"

CD + DVD/CD (2009)

Bill und Sabine sind ja erklärte Fans von Julian Sas, und, liebe Leute, nachdem ich mich mit ihm und seiner Band nun via DVD "Wandering between worlds" (plus CD) mal eingehend auseinandergesetzt habe (akustisch und visuell !) bin ich nun auch einer geworden.

Julian Sas überzeugt zum einen durch großes Können an der E-Gitarre - technisch hervorragend, sehr präzise und zum Teil durch tolle Einfälle und Umsetzung geradezu virtuos - und eine angenehme, sympathische Persönlichkeit, die seine Musikalität nochmals erheblich aufwertet.

So kennen wir's ja auch von Rory!

Mit Tenny Tahamata (b) und Rob Heijne (dr) verfügt er über eine brillante Backline. Die Drei bilden eine sehr stimmige Einheit.

Die DVD enthält einen Konzertmitschnitt vom 26. September 2008 aus dem Boerderij in Zoetermeer in Holland und bietet einen Mix aus Blues / Blues-Rock, zu Beginn Heavy Rock lastig mit starker Hendrix-Anlehnung und dann immer mehr in die Richtung Blues gehend, entweder als Blues & Boogie oder Slow Blues daherkommend.

Zu Beginn habe ich das alles mehr verhalten verfolgt, wohl wissend, was für einen Gitarristen ich da vor mir habe, der aber erst mal z.T. bleiern schwer daherkam, sodaß ich in den Pausen kaum noch vom Sofa hochkam. Da habe ich mich schon gefragt, warum solche Anleihen immer wieder notwendig zu sein scheinen, auch bei wirklich guten Musikern, vor allem, wenn man selbst so viel zu bieten hat.

Aber das war dann nach dieser Eingangsphase im Überfluß zu erleben: in sich runde Stücke mit prägnanten Themen, druckvoll vorgetragen voller Energie, aber auch feinsinnig und zurückgenommen mit schöner Lyrik, mit spannendem Intro und Aufbau, tollen Überleitungen zu Improvisationsteilen mit originellen Ideen und gekonntem Comeback zum Thema.

Gerade in Letzterem liegt eben die große Kunst, und hier scheiden sich bloße Techniker von wirklichen Künstlern, die eben die Fähigkeit haben, einem Stück Musik eine besondere Dramaturgie zu verleihen und auch noch in der Lage sind, das auf der Bühne umzusetzen.

Julian Sas ist ein solcher Musiker!

Wo das zum Ausdruck kommt?

Am allerbesten in: "I take what I want" und das nicht etwa, weil es ein Rory-Stück ist.

Genaugenommen ist es das ja auch nicht (geschrieben haben's andere), aber Rory hat durch die einzigartige Interpretation (im obigen Sinn) sein Stück draus gemacht, und Julian ...

Julian schafft es eben auch, sein Stück draus zu machen. Und wenn ihr wissen wollt, warum: Dann hört Euch die Rory-Fassung an (möglichst die beste von: BBC-Sessions und möglichst laut und mehrfach), und dann hört (und seht!) Euch die Julian Sas-Fassung an, auch möglichst laut und mehrfach. Entweder ihr wißt's dann, oder ihr müsst Euch über solche Feinheiten eh keine Gedanken mehr machen.

Julian verbeugt sich mit seiner Fassung vor Rory mit einer Super-Interpretation, herrlich kraftvoll mit tollem Drive und strotzen -der Vitalität, superlang: Es ist eine großartige Hommage an Rory, und gleichzeitig schält sich ein eigenes neues Stück aus dem alten.

Gerade merke ich wieder, wie schwierig es ist, akustisch und visuell Erlebtes in Worte zu fassen.

Worte sind eben nur Worte.

Deshalb hört und seht Euch dieses DVD und hört Euch die zum Paket gehörende CD an (die wieder ganz anders ist).

Ihr findet noch weitere Perlen:

- "Ain't no change", sehr heavy zu Beginn, dann in eine Blues-Nummer mutierend mit langem lyrischen Improvisationsteil

-
"Sailin' into the unknown", ein klassischer Slow Blues, sehr gefühlvoll vorgetragen mit schönen zarten ("silbrigen") Akkorden

-
"Burnin' soul", "burning" Heavy Blues Rock ("My Heart is burnin', my soul's on fire, don't understand what's goin' on here, don't   know what you want")

- und vor allem:
"Sugarcup Boogie", schneller Boogie-Rocker, kräftig rausgeprügelt zu Beginn, dann langes, etwas zurückgenommenes Solo mit feinen Ideen und Licks, nettes Answer- & Response-Spiel zwischen Bass und Gitarre am Ende, schöner Drive von Anfang bis Schluß

-
"Blues for J", noch ein klassischer Slow Blues (in denen finde ich Julian am besten), zurückhaltend gespielt mit feinen melodischen Einfällen, der zum Schluß Fahrt aufnimmt und kraftvoll-gewaltig endet

-
"Boogie all around", ZZ Top lässt grüßen ... aber Julian schafft es eben, ein Julian Sas-Stück draus zu machen ...

Die zum Paket gehörende, im Studio aufgenommene CD bietet "nur" fünf Stücke und 22 Minuten Spielzeit, und ich habe mich ge-fragt, was das angesichts der fast zweistündigen Live DVD soll bzw. ob man das nicht hätte auch noch da drauf packen können.

Nach dem Hören war mir klar, dass das eine nichts mit dem anderen zu tun hat. Die Musik auf der CD gehört auf einen eigenen Tonträger, denn es ist ganz andere Musik, wenn auch genauso interessant: Julian Sas bietet uns hier verstärktes Akkustik-Guitar-Spiel, semi unplugged würde ich das nennen, leichter als der Heavy-E-Guitar-Sound auf der DVD und sehr schön:
Vier seiner besten Songs: "Helping Hand", "Blues For The Lost And Found", "That´s Enough For Me" und "Morning Rain", die er immer als E-Gitarren-Stücke auf seinen Konzerten spielt, finden sich hier als Akkutik-unplugged-Versionen auf der CD. Klingen hier wie Balladen (eine leicht sentimental, die andere mit farbigen Country-Einschlägen) und als Boogie- und Blues-Nummern (transparent-melodisch und federnd-leicht). Mal ganz anders, aber auch gekonnt! Das Stück "First Rays" ist neu macht auch Lust auf mehr.

Vielleicht wollte er mit dieser kurzen CD mal einen Versuchsballon steigen lassen, um zu testen, wie eine solche Stilergänzung ankäme.

Ich kann nur sagen: gut!

Meine Anregung ist, solche Akkustik-Teile auch in die Konzerte zu übernehmen. Sie bringen ein weitere ganz eigene Note (lyrisch-verspielt zum Teil, leichter und locker-swingend).
Ob solo gebracht (wie Rory meist, Ausnahme: "Going to my hometown") oder mit Begleitung: Es würde das musikalische Spektrum, das schon jetzt recht breit ist, nochmals erweitern, und das kann nur vorteilhaft sein!

(Aber bitte dran denken, in jedem Fall, unabhängig von der Stilrichtung, die Texte mit beizulegen, damit man auch mal nachlesen kann, worum's inhaltlich geht.)

Danke, Julian und Mitstreiter, für die tolle Einspielung!

Danke auch an Volker Dueck von DMP/Sunny Moon für die Zurverfügungstellung der DVD/CD.

Looking ahead for the next one!

Euer

Jörg Hatzmann

Julian Sas live in Germany at Rex-theater Lorsch 14.6.2007


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