Andy Powell Guitar, Vocals;
Muddy Manninen Guitar, Vocals;
Bob Skeat Bass, Vocals; Joseph Crabtree Drums

Leute Leute, wie die Zeit vergeht: Damals, als wir anfingen uns für Blues und Rock zu inte-ressieren und begannen, Platten zu sammeln das war so Anfang der Siebziger , waren das Neulinge, ne Zweite-Generation-Rock-Band, diese Wünschelruten-Männer ... Newcomer.
Dann haben sie aber doch schnell Ordentliches auftischt, so dass man schon bald ziemlich gespannt war, so im Sinne von:
Na, mal sehen, was da noch kommt ...
Mit „Pilgrimage“ haben sie dann bald ein noch stärkeres Ausrufezeichen gesetzt ...
Aber als sie dann mit dem unübertrefflichen „Argus“ ein unübersehbares und tonnenschweres Monument in die von Gedenksteinen reich bestückte Rock-Landschaft meißelten (allein schon für dieses himmlische Helm-Umhang-Speer-Cover hätten sie mit Kunstpreisen überhäuft werden müssen), da spätestens war dieser wohlklingende getragene Twin-Guitar-Sound geschaffen, und sie stiegen auf in den Olymp und wurden mit den Jahren zu Legenden ...
… Und da befinden sie sich immer noch, jetzt schon seit 40 Jahren, denn so lange ist’s nun mal schon her, dass Andy Powell, das einzig verbliebene Urmitglied seine Gründerkumpels traf, damals, 1969 ...
Und dass dieser Geburtstag gebührend gefeiert werden muß, ist ja klar, und schon mit der Auswahl der Location haben sie ein gutes Händchen bewiesen. Das Londoner Shepherd’s Bush Theatre bietet mit seinem fein-rustikalen Ambiente, seinen barocken Balkonen und samtigen Vorhängen den gebotenen würdigen Rahmen.
Und dass sie eine Tour de Force hinlegen, die einen breiten Streifzug beinhaltet vor allem durch das feine Material der Frühgeschichte der Band war auch zu erwarten, und dass ein großer Schwerpunkt bei den Argus-Evergreens liegt auch, und das hat mich besonders gefreut.
Also, ihr hört’s sicher irgendwie schon anklingen, lange Rede, kurzer Sinn: Das 40th Anni-versary Concert von Wishbone Ash ist sehr sehr gut, und ich empfehle allen, sich min-destens die DVD zuzulegen, denn visuell ist das Ereignis ebenfalls ein Hochgenuß.
Wir erleben die Band in Hochform und jeden Einzelnen als Hochkaräter an seinem Instrument.
Die „Chemie“ der Band ist einzigartig: Neben dem geschliffenen Routinier Andy Powell passen der knorrige und wortkarg wirkende Finne Muddy Manninen auf der einen und der immer gut gelaunte, joviale und freudige Bob Skeat auf der anderen Seite und hintendran der neu dazugekommene, junge und dynamische Drummer Joseph Crabtree wunderbar, als hätte man die Band nach Persönlichkeitskriterien zusammengestellt ...
Und so rocken sie dann auch los: erstklassig ... und es sind vor allem die Argus-Klassiker, die aus einem Super-Set noch mal besonders herausragen:
Das balladesk-mystische „Sometime World“ etwa mit herrlich feinen Vocals Powells, den lyrisch, schwebenden Melodielinien, das sich zum Ende in einen locker vorwärtspreschenden Rocker verwandelt; das ewig grandiose „The King will come“ mit seinem herrlichen Chor-Gesang und Wah-Wah-Solo oder dem intensiven „Throw down the Sword“, bei dem die Kapitulationsszene fast vor dem geistigen Auge aufersteht, so düster und würdevoll mutet es an, geradezu mittelalterlich-sakral mit herrlicher „perlender“ Gitarre“ und so sehr anmutigem Gesang; das mächtig daherkommende „Phoenix“, schwebend mit lyrischen Single Notes und den weit ausholenden klaren und schönen Melodiebögen, das zum Ende hin anzieht und in ein Twin-Guitar-Finale einmündet mit gewaltigen Manninen-Soli und zum Abschluß natürlich „Blowin free“, bei dem ich von den Socken war, weil ich nicht dachte, das man das nochmal besser spielen kann als die sehr sehr sehr ... guten Versionen, die ich bis dahin schon kannte, was für ein tolles Stück mit einem solch enormen Drive und dieser wunderschönen Melodie ...

Tja, und dann gab’s noch ein Bonbon dachte ich hintendrauf mit einem Special Bonus, einem 51minütigem Roadmovie, das, sorry, ziemlich daneben ist, so konzeptionslos ist man offensichtlich da dran gegangen. Es enthält irgendwie ein Durcheinander verschiedener oft unzusammenhängender Szenen, die nicht viel Sinn ergeben ... Da hätte ich mir gewünscht, dass man die reiche Geschichte der Band Revue passieren lässt. Na ja, vielleicht wird das irgendwann nochmal nachgeholt.
Nun, das tut dem Gesamteindruck keinen Abbruch, denn:
Wishbone Ash’s „40 Live in London“ ist eine ganz hervorragendes Live-Set, mit dem sie sich ein weiteres Denkmal gesetzt haben!